Romfahrt 2013- Wir zeigen den Römer was ‘ne Harke ist!

24. August 2013, 3 Uhr in der Früh, Werner-Heisenberg-Gymnasium Neuwied: 48 müde Augenpaare starren auf dem Parkplatz der Schule Löcher in die tiefschwarze Nachtluft. Ein Bus fährt vor, es geht los: die Kursfahrt von MSS 12 und MSS 13 nach Rom beginnt.

Unsere Gruppe bestand aus eifrigen Lateinschülern, die ihre Gelegenheit nutzten, an der alle zwei Jahre stattfindenden Romfahrt teilzunehmen. Begleitet wurden wir von den Lateinlehrern und Romkennern Herrn Gastens und Herrn Monschauer, die uns mit ihrem fachlichen Wissen die Stadt der Antike näherbrachten.

Nach dem ersten Temperaturschock am Flughafen von Rom brachte uns ein Bus bis kurz vor unser Hotel, das auf den Namen „Giorgina“ hörte und keine zwei Straßen vom Hauptbahnhof entfernt war. Dort blieb kaum Zeit, das Gepäck abzustellen, schon ging es los mit dem ersten Marsch durch die Umgebung. Wir machten Supermärkte ausfindig und schossen die ersten Bilder für Fotoalben, Instagram und Facebook. Gegen 14 Uhr konnten wir einchecken. Nach den Strapazen war nun erst einmal Siesta angesagt, der erste Tag war somit bereits so gut wie gelaufen. Wer noch fit genug war, bekam in einem Restaurant in der Nähe noch ein leckeres Abendessen, danach aber gingen in allen Zimmer schnell die Lichter aus.

BILD1: Der Trevi Brunnen. Foto: Sylvia Podsiadly


Der viele Schlaf in der ersten Nacht sollte sich bezahlt machen. Angeführt von einem täglich neu erwählten Harkenträger (siehe Foto) liefen wir die nächsten Tage durch die Stadt – und „zeigten den Römern was ‘ne Harke ist“, wie Herr Gastens am Anfang der Reise stolz verkündete. Das Programm wurde mit verschiedenen Referaten von Schülern kommentiert und gestaltete sich in etwa so:

Sonntag: Kolosseum von außen, Konstantin-Bogen, Caracalla-Thermen, Circus-Maximus, Forum-Boarium, Janus Bogen, Marcellus-Theater, Nationaldenkmal (auch „Schreibmaschine“ genannt), Kirche Santa Maria in Aracoeli, Kaiserforen

Montag: Kolosseum von innen, Forum Romanum, Piazza Navona, Pantheon, Lateran-Kirche

Dienstag: Spanische Treppe, Piazza del Popolo, Ara Pacis Augustae, Engelsburg, Cestius Pyramide, Roma Ostiense Bahnhof

Mittwoch:  Katakomben von St. Sebastian, St. Paulus vor den Toren

Donnerstag:  Vatikanische Museen, Petersdom, Petersdom-Kuppel


Laut Reiseführer gibt es in Rom höchstens zwei Regentage in den Sommermonaten. In dieser Hinsicht erlebten wir etwas wahrlich Besonderes: An gleich fünf Tagen tröpfelte es auf uns hinab! Die ersten Tage überraschten uns gelegentliche, als Abkühlung genommene Regenschauer. Am Dienstag aber mussten wir in eine Metro-Station fliehen, weil eines der größten Unwetter, das Rom je gesehen hatte, die ewige Stadt heimsuchte.

Von der Müdigkeit, durch die langen Märsche verursacht, nutzen wir jede Gelegenheit sich irgendwo auszuruhen, wobei wir kostbare Böden, Säulen und manchmal gar Särge als Sitzgelegenheit missbrauchten.


BILD 2: Blick auf den Petersdom. Foto: Ulrike Schmidt

 

Herrn Gastens’ Erzählungen über Rom lauschten dabei nicht nur wir andächtig, sondern auch Katakomben-Führer und Touristen, die sich des Öfteren wie zufällig in Hörweite postierten, um seinen weisen Worten und handfesten Anekdoten zuzuhören. Doch als sich der Lehrer einmal von seiner weichen Seite zeigen wollte und einer erkrankten Möwe etwas von seiner Waffel hinwarf, kam ein hungriger Schüler dem Tier zuvor und fischte das Gebäck unter fassungslosen Blicken der Anderen vom Boden und verzehrte es mit einem breiten Grinsen.

Den Abend ließen wir meist gemeinsam in fröhlicher Stimmung auf der Spanischen Treppe ausklingen, wo wir Hochzeitsfotos und Touristenschnappschüsse verschönerten und die indischen Verkäufer versuchten abzuwimmeln, meist ohne Erfolg.

Nach knapp einer Woche können nun alle Beteiligten mit Fug und Recht behaupten, genug von Rom gesehen zu haben. Bei unserem Marathon durch die Stadt haben wir so gut wie keine Kirche, keinen Tempel und keinen Altar der Römer ausgelassen. Und so kehrten wir zurück nach Neuwied – mit ähnlich müden Gesichtern, mit denen wir nach Italien aufgebrochen waren.

BILD 3: Gruppenfoto aller Beteiligten vor dem Kolosseum. Foto: Fatma Leylek

Ulrike Schmidt MSS13