Young–Leaders–Akademie

Die etwas andere Akademie

Wer gerne über philosophische Themen spricht, an Journalismus interssiert ist, und etwas über Kommunikation lernen wollte, der war auf der 52. young-leaders-Akademie in Strausberg, östlich von Berlin, genau richtig. Hier trafen sich nämlich 109 „Multiplikatoren“, was auch immer das ist, aus ganz Deutschland um genau sowas zu erleben. Der Ort des Geschehens war das Zentrum Informationsarbeit Bundeswehr, das ehemalige Tagungszentrum des DDR-Verteidigungsministeriums. Die Voraussetzungen um zur Akademie zugelassen zu werden sind, dass man zwischen 15 und 20 Jahre alt ist und sozial engagiert ist. Ich durfte vom 17. bis zum 22. Mai diese Veranstaltung besuchen. Im folgenden möchte ich euch/Ihnen etwas darüber erzählen.


 

Philosophie bis der Arzt kommt

Wer ist der Mensch? Was unterscheidet vom Tier? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Wir haben uns in Arbeitskreisen einem ganzen Vormittag diesem Themen gewidmet. Dabei ging es u.a. über Erkenntnislehre, die Logik, Schrödingers Katze, Paralleluniversen... Der Nachmittag gestaltete sich zwar auch philosophisch, jedoch war der Vortrag bekömmlicher und lebensnaher, wo es unter anderem über die Dimensionen und Quelle der Menschenwürde ging. Diesen leitete ein emiritierter Professor. Vervollständigend zum Vortrag gab es ein Plenum, wo man das gesagte kommentieren oder Fragen stellen durfte.

 

Der Islam – ein aktuelles Thema

Um 9 Uhr morgens ging auch schon die nächste Veranstaltung los: Ethik und Verteidigung: Vertrauen in Sicherheitsorgane – hart zu erarbeiten und schnell verspielt. Hier wurden u.a die Grundlagen der Regierungskomunikation angesprochen. Die Formel von Herrn Dienst, dem Referenten lautete: Transparenz  x  Authenzität  =  Glaubwürdigkeit

Der Islam war Thema des Nachmittags. Zwischen einzelnen Vortragsblöcken konnte das Publikum fragen stellen. Die behandelten Themen waren die Geschichte, die Theologie, die Kultur, das Recht und die Politik, etc. Wussten Sie, dass die Muslimen glauben, dass das Böse aus dem Äußeren kommt. Hier sehen wir zum Beispiel einen Unterschied zum Christentum, da Jesus selbst sagte, dass das Böse aus dem Inneren kommt. Oder wussten Sie schon, dass der Dschihad, also die vielfältige Anstrengung um Allahs Willen nicht nur kämpferisch interpretiert werden kann, sondern dass der Dschihad auch mit der Hand, mit dem Herzen, dem Mund und als Martyrium ausgelebt werden kann und dass er wissenschaftlich, kulturell, karitativ usw sein kann? Jetzt wissen Sie es.

Journalismus – Die Kunst der Nachrichten

Wie entsteht eine Zeitung? Welche Texte finden wir darin? Was ist der Ehrenkodex der Journalisten? Was ist eine Meldung und wie schreibe ich eine solche? Usw. Meinen Arbeitskreis leitete eine Profijournalistin, mit der wir uns diesen Fragen gewidmet haben. Und später haben wir mit einer anderen Gruppe eine Zeitung erstellt. Die anderen haben entweder einen TV-Beitrag gedreht, der sowieso nicht im TV erscheint oder ein Webmag erstellt. Und sowas nennt man dann einen Jugendpressekongress. Zwei Themen davon waren „Sicherheit in Zukunft“ und „Ressourcen schonen mit Kunsstoff“. Die Workshops wurden am nächsten Morgen fortgesetzt.

 

Man kann nicht nicht kommunizieren!

Nein liebe Leserinnen und Leser, das war kein Tippfehler. Den obigen Satz prägte Paul Watzlawick, ein Profi in Sachen Kommunikation. Er war zwar nicht auf unserer Akademie in Strausberg aber dafür andere Damen und Herren, die sich mit Kommunikation auskennen. Man konnte zwischen 4 Kommunikationstrainings wählen und die Reihenfolge der Prioritäten setzen und man wurde zugeteilt. Ich hatte „Benimm und Etikette“. Auch wenn ich wohl in der Lage bin mich zu benehmen, kommt es im Leben auf das gewisse Etwas und auf das wie an. Es fängt mit dem Auftritt an, geht mit der Begrüßung weiter und setzt sich im Laufe eines Treffens fort. Zusätzlich wurden auch die Themen Small Talk (auch in den USA und in Großbritannien), das Essen und die Kleidung angesprochen. Zum Beispiel die Position der Serviette auf den Beinen und nicht am Hals, oder die richtige Haltung des Bestecks. Oder wussten Sie, dass schwarz als Anzugfarbe eigentlich für das Bedienstetenpersonal ist? Schließlich können solche Informationen wichtig für zukünftige Treffen sein. Da sollte man schon gewappnet sein.

 

Berlin-Hohenschönhausen – ein schöner Abschluss

Die letzte Aktion vor der Fahrt zum Berliner Hauptbahnhof war die Besichtigung der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen. Dort haben uns Zeitzeugen herumgeführt und uns von Gefangennahme, Haft, Verhör, psychischem Terror und Gewalt berichtet, die dort einst stattfanden. Danach wurden wir zum Bahnhof gefahren und haben dort die Akademie beendet.

Es war eine Zeit, des Kennenlernens, des Kontakteknüpfens und des Networkings. Es trafen Menschen aufeinander, die sich vorher nie gesehen haben, deren Wohnorte an den unterschiedlichen Orten Deutschlands sind und die sozial engagiert sind und meistens offen für andere Menschen sind. Diese Menschen haben nicht nur zusammen( )gearbeitet, sondern sie sind sich auch näher gekommen und haben miteinander „abgehangen“. Es war eine intensive und gute Zeit.

 

Sebastian Epp

Photos: von Teilnehmern