WHG in Verdun – hinter den Kulissen einer Gedenkfeier

Die offizielle Zeremonie zur Erinnerung an die Schlacht von Verdun fand am Sonntag, dem 29. Mai in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident François Hollande statt. 3400 französische und deutsche Jugendliche führten eine Choreographie auf, die an das sinnlose Sterben von über 300 000 – häufig selbst noch jungen – französischen und deutschen Soldaten an diesem Ort erinnern sollte. 22 Schülerinnen und Schüler des WHG waren dabei und hatten so die einmalige Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen einer großen deutsch-französischen Gedenkfeier zu werfen, die auch live im Fernsehen übertragen wurde…

Ansgar Thiele, Julie Hahn

Ausschnitte aus der Gedenkfeier:

 

 

 

Donnerstag, 26.5.2016

Am Donnerstagmorgen trafen wir uns schlecht gelaunt und müde um 7.30 Uhr am Bahnhof. Doch trotz der frühen Morgenstunde freuten wir uns auf die Tage in Verdun. Wir begannen die Fahrt mit dem Zug Richtung Koblenz, dort angekommen dauerte es nicht lange, bis wir in den nächsten Zug umstiegen – mit Pfadfindern. Im Zug versuchten wir, uns zu entspannen, doch das funktionierte nicht, denn einige aus unserer Gruppe lieferten sich mit den Pfadfindern einen unerbittlichen Kampf, wer den besseren Musikgeschmack habe – Rap gegen Lagerfeuerlieder. In Saarbrücken angekommen, tauschten wir den Zug gegen einen Bus aus. Die Fahrt dauerte an die 3 Stunden. Dann waren wir endlich im Camp Pré L’Évêque angekommen. Mit Gepäck vollgeladen, marschierten wir durch das Camp, um in der Kantine mittagessen zu können. Danach wurde uns das Zelt gezeigt, das wir mit anderen Klassen teilen mussten. Im Zelt angekommen, wurden wir von einer schwarzen Meute empfangen, die sich gierig auf unsere schon geöffneten Kekse bzw. Süßigkeiten stürzte – Ameisen! In unserem Zelt lagen auch kleine Gastgeschenke für uns bereit. Eines dieser Geschenke, ein Erinnerungs-T-Shirt, zogen die meisten gleich an. So ausgerüstet, gingen wir auf den Platz, wo Deutsche und Franzosen schon bei einer großen Auswahl an Workshops mitmachten. Es gab Gesang, Tanz und Gelächter. Als unsere französische Tandemgruppe ankam – eine Schulklasse des Collège Anne Frank aus der Gemeinde Plescop in der Bretagne – lernten wir uns spielerisch kennen und machten ein Gruppenfoto (vgl. Foto).

 

Nach dem Abendessen versammelten sich alle in einer Sporthalle, um einen Film zu schauen. Doch es gab Komplikationen mit „brennbaren Sitzkissen“, die nach kurzfristigem Polizeientscheid aufgrund von Brandschutzbestimmungen nicht benutzt werden durften und wieder eingesammelt wurden. Nachdem der Film vorbei war, mussten wir wieder in die Zelte zurück. Manche gingen noch duschen, doch eine warme Dusche war nicht leicht zu finden… Manche gingen nach der eiskalten Dusche schon schlafen, die meisten aber blieben bis zur Nachruhe um 12 Uhr wach. Die Nacht war sehr kalt, aber am nächsten Morgen aufzustehen, war das Schlimmste.

Nina Schuster, Lisa Simolka

 

Freitag, 27.5.2016

Um 6 Uhr morgens begann das Aufwachen der Schüler/innen und Lehrer/innen und die Vorbereitung auf das Frühstück. Nach dem mageren Frühstück sammelten sich alle auf dem riesigen Platz vor der Kantine und ordneten sich ihren Gruppen zu. Anschließend machten diese sich auf den Weg zum „Centre mondial de la paix“ im ehemaligen Bischofspalast von Verdun. Dort angekommen, begrüßte uns ein Mitarbeiter und informierte uns etwas über das Centre. Unsere Gruppe wurde in Kleingruppen aufgeteilt, die Texttafeln mit Kurzzitaten aus Soldatenbriefen lesen und besonders wichtige und eindrucksvolle Stichwörter auf Arbeitsblättern notierten sollten. D

iese wurden anschließend vorgestellt. Die zweite Aufgabe, die zu meistern war, bestand darin, ein kleines Interview vorzubereiten zu Themen der deutsch-französischen Freundschaft. Dies wurde ebenfalls in kleinen, gemischten Gruppen von Franzosen und Deutschen erledigt. Die Interviews wurden gefilmt und sollen im Centre präsentiert werden. In einer dritten Aufgabe ging es um die Begegnung zwischen dem französischen Präsidenten Mitterand und dem deutschen Bundeskanzler Kohl, die sich in Verdun 1984 die Hände gereicht hatten, und um die Darstellung dieser Geste in Fotos und Karikaturen. Im Anschluss besichtigten wir die Kathedrale von Verdun und kehrten dann zum Camp zurück, um uns ein wenig zu stärken. Am Nachmittag fuhren wir in einer langen Buskolonne nach Douaumont, wo die erste Probe für die Gedenkfeier stattfand (vgl. Foto).

 

Zurück im Camp gab es Abendessen. Danach war eine Aufführung „Des flammes à la lumière“ vorgesehen, an der einige Schüler/innen teilnahmen. Unsere Lehrer gaben uns allerdings die Möglichkeit, im Camp zu bleiben, um uns auszuruhen.

Katja Ferderer

 

Samstag, 28.5.

Am Samstag fand vormittags eine Führung durch Verdun statt, bei der wir viel über die Geschichte der Stadt erfuhren. Überall liefen Männer in historischen Uniformen des Ersten Weltkriegs herum (vgl. Foto).

Nachmittags sollten die Schlachtfelder besucht werden, aber da es heftig regnete, machte sich nur ein Teil der Gruppe auf den Weg, um die Überreste von Schützengräben, Unterständen und Befestigungsanlagen in der Umgebung des Soldatenfriedhofs von Douaumont zu besichtigen. Abends wurden die deutschen und französischen Schüler/innen zu einer großen Party eingeladen, die kurz nach dem Essen anfing. Es lief immer abwechselnd Musik in den verschiedenen Sprachen. Die Stimmung war echt super und alle haben miteinander gefeiert, egal ob Franzosen oder Deutsche (vgl. Foto).

 

 

Sonntag, 29.5. – Die Gedenkfeier der Schlacht von Verdun

Wir wachten mit demselben Geräusch auf, mit dem wir auch eingeschlafen waren – Regen. Müde, schlecht gelaunt und ein wenig nervös traten wir die im Rahmen unseres Aufenthalts letzte Fahrt nach Douaumont an. Dort angekommen, liefen wir zu unserem für den Auftritt bestimmten Platz und blieben erst einmal im Schlamm stecken. Die Generalprobe für unsere Choreographie verlief trotz des regnerischen Wetters gut (vgl. Foto). Danach ging es wieder zurück zu einem – glücklicherweise trockenen – großen Zelt, wo wir einen Mittagsimbiss bekamen. Nach dieser kargen Mahlzeit durften wir durch den Schlamm zurück zu unserem Platz marschieren.

Foto: Generalprobe mit Regenponchos


Jetzt hieß es erst einmal eineinhalb Stunden Warten. Von Minute zu Minute wuchs unsere Nervosität. Werden wir die Choreographie einwandfrei hinbekommen? Werde ich auf dem schlammigen Untergrund ausrutschen? Das waren die Fragen, die die meisten sich stellten. Und dann war es endlich soweit. Wir nahmen voller Vorfreude unsere Plätze ein. Der Choreograph gab den Startschuss und wir rannten, wie vorher einstudiert, durch die Gräberreihen. In der Mitte der Gedenkstätte angekommen, sahen wir uns um. Wo sind sie? Wo sind die beiden wichtigsten Personen? Wo sind Angela Merkel und François Hollande? Diese und andere Fragen stellten wir uns, während wir die perfekt einstudierte Choreographie vortanzten. Während der Reden der Kanzlerin und des Präsidenten schwenkte der riesige Kamerakran ständig über unsere Köpfe hinweg. Auf dem Rückweg zu unserem Ausgangspunkt sollten wir durch die Gräberreihen schlendern. Doch spontan entschieden wir uns, Deutsche wie Franzosen, während das Orchester spielte, stehen zu bleiben und uns an den Händen zu nehmen.

Zum Abschluss dieses anstrengenden Tages hofften wir auf ein wenigstens essbares Abendessen, doch wir bekamen ein sprödes, altes, pappiges Gummisandwich. Also entschieden wir uns, in die Stadt zu gehen und den Abend bei einer ordentlichen, warmen Mahlzeit schön ausklingen zu lassen.

Lisa Simolka, Nina Schuster

 

Weitere Impressionen:

1 Ankunft im Camp

 

2 Abendessen in der Kantine

 

3 Im Zelt

 

4 Schlechtes Wetter im Camp

 

5 Im Centre mondial de la paix

 

6 Probe für die Choreographie

 

7 Interview mit Radio France Inter

 

8 Nicht so lecker

 

9 Choreographie im Regen