Verkehrspräventionsprojekt „Crash-Kurs“ – Wenn Träume wie Luftballons zerplatzen

Bei Unfällen im Straßenverkehr ist die Gruppe der „jungen Fahrer“ im Alter zwischen 18 und 25 Jahren überproportional beteiligt. Obwohl ihr Bevölkerungsanteil in Rheinland-Pfalz knapp 9 Prozent beträgt, liegt die Unfallbeteiligung junger Fahrer bei ca. 25 Prozent. Vor diesem Hintergrund gebührt dieser Gruppe ein Schwerpunkt in der Verkehrssicherheitsarbeit von Polizei und Schule.

Die Polizei Neuwied beschreitet mit dem Projekt „Crash-Kurs“ nach der Vorlage der Landespolizeischule Rheinland-Pfalz neue Wege in der Verkehrsunfallpräventionsarbeit. Das Konzept hierfür wurde in England entwickelt und wird bereits in anderen Bundesländern praktiziert. Den Schülerinnen und Schülern soll ein realitätsnahes Gefahrenbewusstsein für zu schnelles Fahren, des Fahrens unter Alkohol- bzw. Drogeneinfluss und des Nichtanlegens des Sicherheitsgurtes vermittelt werden.

Die Polizeiinspektion Neuwied organisierte unter Leitung von Polizeioberkommissar Klaus Heidger und Polizeikommissar Thomas Busch in Zusammenarbeit mit den Verkehrsobleuten  Athanasia Böhmer und Eva Schmidt den ersten Crash-Kurs am WHG. Während der Veranstaltung war es unter den rund 200 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 sehr still. Die sehr persönlichen Berichte der Einsatzkräfte, die durch bewegende Bilder begleitet wurden, berührten viele Schüler emotional und lösten Betroffenheit aus. Diese wird sicherlich durch den regionalen Bezug des Unfallbeispiels verstärkt.

Ausgangspunkt war die Vorstellung eines Verkehrsunfalls, bei dem drei junge Menschen in Neuwied ihr Leben verloren. Die damals eingesetzten Polizeibeamten sowie jeweils ein Vertreter von Feuerwehr, DRK und Notfallseelsorge schilderten authentisch, offen und direkt ihre persönlichen Erlebnisse und Emotionen, mit denen sie bei der Bewältigung dieses Unfalls zu kämpfen hatten. Die beiden Polizeibeamten rekonstruierten zunächst die Fahrt der drei jungen Männer sowie den Unfallverlauf. Sie appellierten in diesem Zusammenhang vor allem daran, nicht unter Alkoholeinfluss zu fahren oder zu alkoholisierten Fahrern ins Auto zu steigen.  Florian Bauer von der Feuerwehr Neuwied berichtete von seinen persönlichen Erlebnissen am Unfallort und davon, wie er das Erlebte verarbeitete: „Wir haben nach dem Einsatz noch lange in der Wache zusammengesessen und über unsere Eindrücke gesprochen. Das ist wichtig um alles verarbeiten zu können.“ Dem schloss sich auch der Rettungssanitäter Joachim Salz an: „Ich war einer der Ersten am Unfallort und werde diese Bilder nie vergessen.“ Im Anschluss daran berichtete der Notfallseelsorger Andreas Bühler, der bei diesem Unfall nicht im Einsatz war,  von der schwierigen Aufgabe, den Eltern und Familien der Unfallopfer beizustehen. Besonders bewegend waren die Worte von Andreas Vogel, einem guten Freund der Unfallopfer, der in eindrucksvoller Weise schilderte, wie schnell eine fröhliche Partynacht mit ausgelassener Stimmung ein grausames Ende finden kann. Innerhalb einer Sekunde können die Lebensträume junger Menschen zerplatzen. Dies demonstrierte am Ende der Veranstaltung der Moderator Polizeioberkommissar Andre Antweiler, als er einen Ballon, der mit Zukunftswünschen der Schülerinnen und Schüler versehen war, überraschend platzen lies.

Schmidt/Böhmer