Streitschlichter treffen Schiedsperson

Die aktuellen Streitschlichter werden Ende des Schuljahres abgelöst. Vorher bot sich für die erfahrenen AG-Teilnehmer noch einmal die Möglichkeit zu einer interessanten Weiterbildung. Am Freitagmorgen trafen sie sich mit der Mediatorin Christel Schneider in Koblenz. Frau Schneider blickt auf ein abwechslungsreiches Berufsleben zurück. Nach dem Lehramts-  und Psychologiestudium arbeitete sie als Unternehmensberaterin und  später lange Zeit als Betriebsratvorsitzende. Heute widmet sie einen Teil ihrer Ruhestandszeit dem Schlichten von Streitigkeiten. Meist sind dies Nachbarschaftsstreitigkeiten. Zu dieser Tätigkeit wird man berufen und erhält auch eine grundlegende Ausbildung.

Praktisch sieht die Arbeit so aus: In einigen Fällen müssen Antragssteller und Antragsgegner eines Streites - bevor sie eine Streitigkeit gerichtlich klären dürfen - an einem Schlichtungsgespräch teilnehmen. Zunächst führt Frau Schneider dann  mit jeder Partei ein ausführliches Einzelgespräch. Im Anschluss müssen die Streitparteien „an einem Tisch“ zusammenkommen. Der oder die Schiedsrichterin hat nun die Aufgabe das Gespräch so zu moderieren, dass  von den Parteien Lösungs- und Kompromissvorschläge gemacht werden können. „Manchmal ist es schwierig unparteiisch zu bleiben“, sagt Frau Schneider und gibt einige, anonymisierte Beispiele. Fast immer ist der Streit am Ende nur Ausdruck eines dahinterliegenden,  tiefergehenden Problems. Oft fühlen sich beide Parteien verletzt und können daher auch nur schwer Schritte auf den anderen zu machen. Die Perspektive zu wechseln und die Dinge mit den Augen des anderen zu betrachten kann hier helfen. Aber Streitende dorthin zu begleiten ist nicht immer ganz einfach.

Die Ähnlichkeit zur Arbeit der Schulmediatoren ist eklatant auffällig. Auch hier ist das oberste Gebot die Überparteilichkeit, sowie die vertrauliche Behandlung der Inhalte. Auch in der Schule helfen formalisierte Abläufe (Einleitung der Schlichtung, Klärung des Streites, Lösungsfindung und Abkommen) die Übersicht zu behalten. Und  in den meisten Streitfällen ist es knifflig, dem Problem auf den Grund zu gehen. Das ist auch nicht unbedingtes Ziel, kann aber den Streitenden bei der Lösungsfindung sehr im Weg stehen. Genauso wie die fehlende Bereitschaft oder Fähigkeit „die Sache mit den Augen des Anderen zu betrachten.“  Wer zu den Streitschlichtern  in R 360 kommt muss jeweils die Position des Anderen mit eigenen Worten wiedergeben können, bevor es zum nächsten Schritt der Schlichtung kommt.

Selbst bei den Themen gibt es gewisse Übereinstimmungen. Für Außenstehende erscheint der Streit nämlich häugfig eher trivial.  Das bisschen Löwenzahnsamen, das auf das Grundstück des Nachbarn weht, die unterschiedliche Auffassung darüber, wie oft ein Rasen zu mähen ist, unterschiedliche Musikgeschmäcker und Ruhezeiten…Man hat den Eindruck, was im wahren Leben oft zu Aggression und Eskalation am Gartenzaun führt, passiert in der Schule häufig an der Tischtennisplatte oder in der Schulbank. Auf jeden Fall scheint es hilfreich zu sein, als Schlichter oder Streithahn schon mal Erfahrungen mit dem Schlichten gesammelt zu haben.  Danke schön, Frau Schneider, für den Einblick in diese interessante Arbeit!

S. Schäfer