Kommunalpolitik life: 10d zu Gast bei einer Bürgerversammlung

Exkursion der Klasse 10d zur zweiten Bürgerversammlung zur Umgestaltung des Deichgeländes

Da wir zur Zeit im Erdkundeunterricht das Thema Raumplanung behandeln, bot sich die Exkursion am 8. März ins Heimathaus an, um einen Einblick in das Planungsverfahren zur Umgestaltung des Deichvorgeländes zu bekommen. Mit Frau Schäfer und der Referendarin Frau Holzinger konnten wir uns an dem  Abend unser eigenes Bild über die Thematik verschaffen.

Christina Oldenburg eröffnete die 2. Bürgerversammlung um 18 Uhr mit der Vorstellung des Programms und der Referenten. Das Ziel der Veranstaltung sollte sein, die Bürgerinnen und Bürger über die neue Deichgestaltung zu informieren und sich daraus ergebende Fragen zu klären.

Zudem sollten verschiedene Varianten der Gestaltung des Deichgeländes vorgestellt werden.

Stadtbauamtsleiter Jörg Steuler führte zu Beginn in das Thema ein. Er fasste die bisherigen Ergebnisse der ersten Bürgerversammlung des letzten Jahres zusammen und leitete damit in den Vortrag über. Vor einem Jahr hat man damit begonnen, die Situation am Deich zu analysieren. Im Bootshaus wurden nachfolgend die erlangten Informationen zusammengetragen, im Plenum beraten und ausgewertet. Schon damals wurde über eine mögliche Liegewiese diskutiert, die auch an diesem Abend erneut zur Diskussion führte. Unter anderem stellte sich die Frage, ob die geplante Liegewiese und damit der Bereich vom Schloss bis zum Pegelturm auch entsprechend sauber gehalten werden kann. Der Stadtbauamtsleiter entkräftete die Bedenken damit, dass sich die Stadt Neuwied bereit erklärt hat, durch die Einstellung fünf neuer Gärtner die Pflege zu gewährleisten.

Die Biologin Sabine Kohlmann führte den Vortrag fort und informierte über die Baumbestände, vor allem über den Bestand der Trauerweiden in der Nähe des Biergartens. Mittels der VTA Methode wurden eingehende Untersuchungen am Baumbestand durchgeführt. Bei der VTA Methode (Visual Tree Assessment) handelt es sich um ein am Forschungszentrum für Technik und Umwelt Karlsruhe entwickeltes, international weit verbreitetes Bewertungsverfahren für eine differenzierte Beurteilung der Stand- und Bruchsicherheit von Bäumen.

Nachfolgende Kriterien wurden am Deich untersucht:

  • Stellt der Baum eine Gefahr für die Passanten dar?
  • Ist er ausreichend verankert?
  • Besteht Pilzbefall und wenn ja, stellt dieser für Passanten eine Gefahr durch brüchige Stämme dar?

Durch eine Kronenpflege wurden an den obrigen Teilen der Bäume entsprechende Messungen durchgeführt. Zur Verdeutlichung des Gesundheitszustandes der Bäume wurden durch die Biologin Kurvendiagramme, sogenannte Resistographenmessungen, vorgestellt. Neun Bäume müssen wegen Standunsicherheit gefällt werden.

Ein weiterer Punkt befasste sich mit der notwendigen Sanierung der Kaimauer. Ein entsprechendes TÜV-Gutachten bestätigt die erforderliche Maßnahme.

 „Die marode Mauer hält den gewaltigen Wassermassen in den nächsten Jahren nicht mehr Stand“, so Jörg Steuler.

Im Weiteren erläuterte Gutachter Thorsten Römer die Situation der Kaimauer. Diese wurde professionell vermessen. Querschnitte der Mauer wurden erstellt. Es zeigte sich, dass die Ufermauer dringend saniert werden muss. Durch Rohre, die in die Mauer eingebracht werden sollen, will man eine zusätzliche Stabilität sicherstellen, offene Fugen sollen geschlossen werden.

Klaus Bierbaum von „Bierbaum.Aichele Landschaftsarchitekten“ in Mainz stellte drei Varianten des zukünftigen Deichgeländes vor. Der erste, ursprüngliche Entwurf sieht sowohl eine Neupflanzung von Bäumen, als auch die Baumerhaltung am Biergarten vor. Die Rheinterrasse soll in der Breite verkleinert, der Weg verbreitert werden.

Die zweite Variante sieht eine Absenkung der Rasenfläche vor. Zwischen der Rasenfläche und dem Deich soll ein Asphaltweg, der als Radweg genutzt werden kann, angelegt werden. Zwischen Rasen und Rhein dient ein kleiner Uferweg den Fußgängern als Spazierpfad.

Die dritte Variante kommt für Klaus Bierbaum trotz Erhaltung des Baumbestandes nicht in Frage, da hier kein nachhaltiges Konzept umgesetzt werden kann. Es ist mit Folgekosten und Nachbesserungen zu rechnen.

Durch Punktevergabe konnten die Bürgerinnen und Bürger am Ende der Veranstaltung ihre bevorzugte Variante wählen.

Abschließend folgte eine Diskussion, in der u.a. nachfolgend genannte Themen kontrovers diskutiert wurden:

  • Wie sieht es mit den Bootsanlegestellen aus, die durch ihre derzeitige Optik keinen Glanz an das Deichufer bringen?
  • Ein älterer Bürger sorgt sich generell um Kosten, die bisher ggfs. noch nicht einberechnet wurden. In Zeiten der Finanznot solle nur das Nötigste an der Kaimauer verbessert werden. Es seien die kleinen Dinge, die eine Verbesserung ausmachen, z.B. eine Ausbesserung der Gehwege.
  • Können die geplanten Grünflächen den Wassermassen bei Hochwasserständen standhalten?

Jörg Steuler erklärte, dass Strömungsgutachter den Sachverhalt der Grünflächennutzung begutachtet hätten und die Situation als unkritisch einstufen.

In den nächsten Tagen werden die Bewertungen der Bürgerinnen und Bürger ausgewertet. Innerhalb der nächsten 2-3 Wochen werden noch Vorschläge entgegengenommen. Erste Ergebnisse deuten schon jetzt darauf hin, dass die erste Variante bevorzugt wird.

Wesentliche Inhalte der ersten Variante sind:

  • Errichtung einer Liegewiese, die aus Kostengründen, jedoch etwas schmaler ausfällt
  • Sitztreppe unterhalb der Deichkrone
  • runderneuerter Fuß- und Radweg
  • neue Lindenallee
  • gesamte Maßnahme nur bis zur Rampe und nicht bis zum Pegelturm

Durch diesen Abend haben wir einen guten Eindruck davon erhalten, wie eine Raumplanung in Neuwied durchgeführt und entwickelt wird.

Christian Schulz 10d