„Goldabitur“ in goldener Frühlingssonne

Aus vielen Teilen Deutschlands und sogar aus Brasilien waren sie zusammengekommen, die Abiturienten von 1963, von denen die meisten zum ersten Mal nach 50 Jahren wieder einen Fuß in die ehemalige Schule setzten. Frau Pinger begrüßte sie am alten Eingangstor, Engerser Landstraße, durch das sie als Schüler – wie die heutigen Schüler übrigens auch – die Schule nie betreten durften.Der Organisator, Herr Peter Daberkow, stimmte in einem der alten Klassenräume in dieses Treffen ein, und man gedachte in einer Schweigeminute der bereits verstorbenen Klassenkameraden.

Gespannt machte man sich zum Gang durch das Schulgebäude auf. Bunter ist es heute in den Fluren und Treppenhäusern des Altbaus geworden, in dem die Ehemaligen noch vieles wiedererkannten, auch wenn die Nutzung etlicher Räume sich im Laufe der Zeit verändert hat. Doch wo waren die alte Aula, und die damalige Turnhalle? Ein Neubau (der mittlerweile auch nicht mehr so neu ist) hat die ehrwürdigen Gebäudeteile ersetzt, in dem sich heute neben einer ganzen Reihe von Klassenräumen und der Mensa auch die Naturwissenschaften befinden. „Nicht schön, aber zweckdienlich“, das war der einhellige Kommentar, und die Zusammenschau von Altbau, Anbau und Neubau – alle drei in unterschiedlichen Bauweisen und entsprechender unterschiedlicher Außenansicht – wurde als architektonische Katastrophe bewertet, die man „mangels finanzieller Mittel in der Trägerkasse und mangelndem professionellem Gespür für eine harmonische Bauweise“ (Zitat) wohl nicht verhindern konnte. Früher war eben alles schöner und besser! Oder doch nicht? Die Ausstattung der Naturwissenschaften, die Kunstgenüsse in Form von Schülerarbeiten in den Fluren, die Präsentation der Austauschaktivitäten in Form der riesigen australischen Flagge oder französischer Exponate, all das wurde schon als Verbesserung lobend wahrgenommen. Sogar das aufgeräumte Lehrerzimmer, in das man als Schüler natürlich auch nie eingelassen wurde, beeindruckte die Besucher (– obwohl die aktuellen Nutzer einer durchaus angebrachten Erneuerung entgegenfiebern).

Wiedererkennungswert hatten die Ganymed-Figur im Schulgarten sowie die alten Bodenfliesen und Treppenaufgänge. Auch der alte Sportplatz, dessen Lage vor 50 Jahren wohl leicht verändert war, weckte Erinnerungen. Die Frühlingssonne begleitete die Jubilare beim Gang über die Sportanlagen und beleuchtete eindrucksvoll die neue Beachvolleyball-Anlage, die nicht zuletzt durch die Hilfe engagierter Eltern der aktuellen Schülergeneration entstehen konnte. Die für diese früheren Schüler neue Sporthalle fand ihre Bewunderer, auch wenn die immer noch vorhandenen – mittlerweile aber erneuerten – Klettertaue böse Erinnerungen an militärische Drills weckten, die sie zu Beginn vieler Sportstunden zum aufwärmenden Kraftakt in die Höhe jagten.

Kleine Anekdoten und Rückblicke lockerten den zweistündigen Rundgang und das intensive Revue-passieren-lassen auf. Ein bunter Blumenstrauß für Frau Pinger und eine großzügige Gabe für den Förderverein des WHG waren die erfreulichen Schlusspunkte – und natürlich das obligatorische Foto am altehrwürdigen Eingangstor der Schule.

(ep)