Über Geschichte stolpern und nachdenken

Die erste Woche nach den Osterferien stand für die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a im Zeichen der NS-Geschichte.

Den Auftakt bildete ein Vortrag von Rolf Wüst zur Geschichte der Stadt Neuwied. Wie aus einer toleranten Stadt, die von Beginn an durch den Zuzug von Glaubensflüchtlingen und einer wachsenden jüdischen Gemeinde mit vielen mittelständischen Betrieben profitiert hatte, eine von Nazis dominierte Stadt werden konnte, bildete die Kernfrage, welche vor allem zum Nachdenken anregen und den Blick für gegenwärtige Entwicklungen schärfen sollte. Eine zentrale Botschaft für die Jugendlichen war, dass Ausgrenzung immer am Anfang von Gewalt und Verfolgung steht. Dies galt damals und gilt auch noch heute.

Im Anschluss leitete Herr Wüst die Schülerinnen und Schüler an, auf der Seite www.stolpersteine-neuwied.de mit Hilfe der Datenbank, Einzelschicksale zu recherchieren. Die gut aufbreitete Seite, die immer wieder aktualisiert wird, bietet Interessierten die Möglichkeit, sich selbst auf die Spuren der Opfer zu begeben. Ein ,,Stolpern“ über einen der zahlreichen in Neuwied und seinen Stadtteilen verlegten Gedenksteine kann vielleicht einen Impuls dazu geben.

Weitere Einblicke in die NS-Zeit erhielt die Klasse beim Besuch des ehemaligen Gestapo-Gefängnisses (heute NS-Dokumentationszentrum) in Köln. Bewegend schilderte die Referentin, aus welchen Gründen man für mehrere Monate unter extremen Haftbedingungen und ohne Aussicht auf einen fairen Prozess in den Kellern der Gestapo verschwinden konnte. In einem Fall führte eine kritische Bemerkung vor dem eigenen Bruder zu einer Anzeige. Häufig gerieten Jugendliche aber ins Visier, wenn sie eine eigene Jugendkultur der Hitlerjugend vorzogen oder auch durch Flugblätter auf die missliche politische Lage aufmerksam machten. Die Edelweißpiraten sind dafür ein typisches Beispiel aus Köln.

Das Fazit der Schülerinnen und Schüler: Das Schicksal der Inhaftierten ließ sich vor allem im Keller nachempfinden, durch die erdrückende Enge und die Spuren an den Wänden. Erschreckend vor allem, da sich das Gebäude mitten in der Stadt befand und somit jeder erahnen konnte, was dort geschah.

Svenja Kupper